2026-09-22

Antworten Bürgeranfrage

 Stadtverwaltung Weimar 

Drucksachen-Nr. 2026/217/EW.o.A 

Einreicher: Gall Podlaszewski 

Datum der Sitzung: 16.09.26 

Status der Sitzung: öffentlich 

beantwortet durch: Tiefbauamt 

- Es gilt das gesprochene Wort - 

August-Frölich-Platz - Auswertung bisheriger Maßnahmen und Prüfung eines befristeten Verkehrsversuches 

Frau Dr. Claudia Kolb:

Die Diskussion um die Verkehrssicherheit und zukünftige Entwicklung des August-FrölichPlatzes reicht inzwischen mehrere Jahre zurück. Ausgangspunkt war 2021 eine Petition für einen sicheren Fußgängerübergang. In Reaktion darauf entwickelte die Stadt Maßnahmen zur Verbesserung der Querungsmöglichkeiten; 2024 wurden die heutigen Verkehrsinseln bzw. Fahrbahneinengungen im Rahmen eines städtischen Verkehrsversuchs eingerichtet. Das bürgerschaftliche Engagement entwickelte sich seitdem über die ursprüngliche Frage der sicheren Querung hinaus und nahm zunehmend auch die Nutzung und Gestaltung des August-Frölich-Platzes als öffentlichen Raum in den Blick. Dieser Prozess wurde zunächst durch den Lokalen Aktionsplan Weimar und zuletzt durch die Partnerschaft für Demokratie Weimar unterstützt. Im Rahmen dieser Unterstützung konnten insbesondere Dialog- und Beteiligungsformate mit Anwohnerinnen und Anwohnern sowie weiteren Akteuren des Stadtteils durchgeführt werden. Weitere Erkenntnisse entstanden durch die FröHlich Festivals 2024 und 2026, die Zusammenarbeit mit der Bauhaus-Universität Weimar sowie die Bürgerbefragung zur Zukunft des Platzes. Die Befragung zeigt eine deutliche Unterstützung für eine Weiterentwicklung des Platzes, insbesondere hinsichtlich Verkehrssicherheit, Verkehrsberuhigung und Aufenthaltsqualität. Währen der Festivals wurde der Platz jeweils für eine Wochenende zum Durchgangsverkehr befreit und als öffentlicher Stadtteilraum genutzt. Diese Erfahrungen zeigen Möglichkeiten einer anderen Nutzung, ersetzen aufgrund ihrer kurzen Dauer jedoch keine Untersuchung unter normalen Alltagsbedingungen mit Berufs- Schul- und Busverkehr. Eine weitere Rahmenbedingung bildet die noch offene Zukunft des angrenzenden regionalen Busbahnhofs. Die Anforderungen des Busverkehrs sind bei der weiteren Entwicklung des 2 Platzes zu berücksichtigen, ohne dass damit zwangsläufig alle zwischenzeitlichen Untersuchungen und Erprobungen von einer langfristigen Standortentscheidung abhängig sein müssen. Nach inzwischen mehreren Jahren der Beteiligung und ersten Erprobungen bitten wir die Stadt daher um Beantwortung folgender fünf Fragen.   

Frage 1: Welche Ergebnisse hat die Stadt aus dem 2024 durchgeführten Verkehrsversuch am August-Frölich-Platz gewonnen und welche Schlussfolgerungen wurden daraus für die Verkehrssicherheit und weitere verkehrliche Entwicklungen des Platzes gezogen. 

Antwort: Im Rahmen des Verkehrsversuches wurde untersucht, welche Querungsmöglichkeiten auf dem Platz zur Verbesserung der Verkehrssicherheit geschaffen werden können.  Es wurden eine Mittelinsel zwischen dem Vorplatz der katholischen Kirche und der ehemaligen Apotheke errichtet sowie vorgezogene Seitenräume in der Washingtonstraße geschaffen. Die Verkehrsunternehmen PVG und SWG haben anschließend mit verschiedenen Fahrversuchen getestet, ob eine Befahrung der jeweiligen Straßen mit den eingebauten Elementen noch möglich ist. Die Mittelinsel stellte dabei keine Schwierigkeit dar und wurde deshalb anschließend verstetigt. Die vorgezogenen Seitenräume, die mithilfe von mobilen Elementen geschaffen worden waren, wurden dagegen von den Bussen regelmäßig angefahren und konnten daher nicht dauerhaft eingerichtet werden. Im Jahr 2027 beginnen die Planungen für eine Sanierung des Teilstücks Washingtonstraße. Im Zuge dessen wird es erneut Überlegungen zu einer besseren Querungsmöglichkeit der Washingtonstraße geben. Eine bauliche Umsetzung ist für 2028 vorgesehen.  

Frage 2: Wie bewertet die Stadt die inzwischen vorliegenden Ergebnisse aus Bürgerbefragung, Dialogverfahren und weiteren Beteiligungsprozessen hinsichtlich des Handlungsbedarfs und der zukünftigen Entwicklung des August-Frölich-Platzes. 

Antwort: Die Ergebnisse aus der Bürgerbefragung, dem Dialogverfahren und den weiteren Beteiligungsprozessen sind eine wichtige Grundlage für die weitere Entwicklung des August-Frölich-Platzes. Die Rückmeldungen zeigen, dass seitens der Bürgerschaft ein großes Interesse an einer Stärkung der Aufenthaltsqualität und der Verkehrssicherheit besteht. Jedoch ist zwischen dem berechtigten Wunsch nach einer städtebaulichen Weiterentwicklung des Platzes und einem akuten Sanierungsbedarf der Straße zu unterscheiden. Die Straße befindet sich nach Einschätzung des Tiefbauamtes derzeit in einem guten bis sehr guten baulichen Zustand. In der mittelfristigen Investitionsplanung ist daher eine umfassende Straßensanierung frühestens in etwa zehn Jahren vorgesehen.  Ein kurzfristiger grundhafter Umbau des August-Frölich-Platzes begegnet unter wirtschaftlichen Aspekten daher Bedenken. Unabhängig davon wird die Stadt aber bereits heute Möglichkeiten zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität und der Verkehrssicherheit prüfen. Damit kann die weitere Entwicklung des Platzes schrittweise vorangebracht werden. 

Frage 3: Welche fachlichen Erkenntnisse fehlen aus Sicht der Stadt noch, um über eine weitergehende Verkehrsberuhigung bzw. Einschränkung des Durchgangsverkehrs entscheiden zu können und könnten diese durch einen zeitlich begrenzten und vollständig reversiblen Verkehrsversuch – beispielsweise über sechs Monate – unter normalen Alltagsbedingungen gewonnen werden? 

Antwort: Aus Sicht der Stadt haben die bisherigen Beteiligungsformate bereits wichtige Hinweise geliefert. Für eine Entscheidung über eine weitergehende Verkehrsberuhigung sind jedoch noch fachliche Fragen offen. Insbesondere ist noch zu prüfen, wie sich der Verkehr verlagern würde. Auch wurden die Auswirkungen auf den Regionalbusverkehr bislang nicht untersucht. Ein zeitlich begrenzter und reversibler Verkehrsversuch wäre eine gute Möglichkeit, diese Auswirkungen unter normalen Alltagsbedingungen zu ermitteln. Voraussetzung wäre jedoch eine sorgfältige fachliche Vorbereitung und Begleitung. Da der August-Frölich-Platz aufgrund anderer anstehender Aufgaben derzeit keine Priorität besitzt, ist ein solcher Verkehrsversuch aktuell nicht vorgesehen. Die Stadt schließt ihn für die Zukunft jedoch nicht grundsätzlich aus.  

Frage 4: Welche konkreten Abhängigkeiten sieht die Stadt zwischen der weiteren Entwicklung des August-Frölich-Platzes und der noch offenen Zukunft des regionalen Busbahnhofes, und welche Schritte können unabhängig von dieser Entscheidung bereits jetzt getroffen werden. 

Antwort: Mit der Umsetzung des Mobilitätsknotens und einer damit möglichen Verlegung des Regionalbusbahnhofs an den Hauptbahnhof würde sich die Situation im Bereich des AugustFrölich-Platzes deutlich verändern und sich neue städtebauliche Möglichkeiten eröffnen. Solange der Regionalbusbahnhof jedoch in der Hoffmann-Fallersleben-Straße verbleibt, sind die dort verkehrenden Regionalbusse wesentliche Nutzer des August-Frölich-Platzes. 

Frage 5: Welche konkreten nächsten Schritte und welchen zeitlichen Rahmen sieht die Stadt für eine weitere Erprobung und die darauf aufbauende Entscheidung über die zukünftige und räumliche Entwicklung des August-Frölich-Platzes vor? 

Antwort: Aktuell steht für die Jahre 2027/2028 die Sanierung eines Teilstücks der Washington Straße an und die in dem Zuge mögliche Verbesserung der Querungssituation.  Auch wurden bereits Optionen der Verlegung der Bushaltestellen direkt am August-FrölichPlatz in die Hoffmann-von-Fallersleben-Straße betrachtet. Entwürfe sind in der internen Abstimmung. Ein nächster Schritt sind Gespräche mit den betroffenen Busunternehmen. Ziel wäre eine Abgrenzung des gepflasterten Bereichs, die eine sichere Bespielung der Fläche ermöglichen und die Verkehrsfläche visuell einengen würden. 

Nachfrage: In welcher Form wird die Initiative in die nächsten Schritte eingebunden?

Antwort: ganz sicher werden Sie mit einbezogen. Also wenn wir die Gespräche mit den Busunternehmen geführt haben und sich abzeichnet, dass wir da in eine gute Richtung gemeinsam kommen gibt‘s sicherlich einen Gesprächstermin mit der Initiative. Auch was die Klärung der Washingtonstraße anbelangt, sind Sie wichtige Gesprächspartner auf alle Fälle.

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